Der Straßburger Trompeter

Straßburger Trompeter
Straßburger Trompeter

Die farbig gefasste Holzskulptur wurde um 1385 an der Orgelempore des Straßburger Münsters befestigt. Zu der Figurengruppe gehören außerdem eine Figur des Samson, der auf einem Löwen reitet und der "Rohraffe", eine bärtige Männerfigur, deren derbe Erscheinung und altmodische Kleidung auffällig mit der des Trompeters kontrastieren.

Der Trompeter ist in ein modisch kurzes Wams mit ausgepolsterter Kugelbrust gekleidet, das die "Wespentaille" als modisches Ideal betont. Der Stoff ist edel gemustert (Brokat?) dargestellt. Die Ärmel der Schecke sind bis zum Ellbogen weit geschnitten und liegen am Unterarm eng an, Muffen bzw. Prieschen bedecken die Handrücken. Die Länge der Schecke reicht allenfalls bis knapp über den Schritt, die Beinkleider tragen in Mi-Parti die Farben der Stadt.

Pourpoint von Charles de Blois, ca. 1360
Pourpoint von Charles de Blois, ca. 1360

Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass die Knöpfe oberhalb der Taille kugelförmig sind, während diejenigen unterhalb der Taille einen flachen bzw. linsenförmigen Querschnitt aufweisen. Dasselbe Detail ist auch an erhaltenen Originalen nachzuweisen (Pourpoint von Charles de Blois, Jacke von Chartres). Dieses Ausstattungsmerkmal ist möglicherweise mit den militärischen Ursprüngen des Kleidungsstücks zu erklären: Kugelförmige Knöpfe könnten beim Tragen von Schwertgürteln oder beim Reiten stören.

Die Trompete und die normalerweise daran befestigte Flagge mit dem Stadtwappen, sowie die diagonal getragene goldene Kette weisen den Trompeter als Herold aus. Der Gürtel aus pyramidenstumpfförmigen Gliedern und der an der Kette befestigte Scheibendolch erinnern an die Darstellung von Rittern und Adligen auf Grabplatten und unterstreichen die vornehme Erscheinung des Trompeters.

 

Literatur:

  • Pottecher, Marie u.a. (Hg.), 1400 Elsaß und Oberrhein im gotischen Europa, Straßburg 2008
  • Ulrich Lehnart, Kleidung und Waffen der Spätgotik, II 1370-1420, Wald-Michelbach, 2003

 

Passionsszenen vom Freiburger Münster

Passionsszene im Tympanon des nördlichen Chorportals.
Passionsszene im Tympanon des nördlichen Chorportals.

Auf der Innenseite des  sogenannten Schöpfungsportals an der Nordseite des Münsterchors findet man mehrere Figurengruppen, die Szenen aus der Leidensgeschichte Christi darstellen.

Die Darstellungsweise der zeitlich aufeinander folgenden Szenen ist simultan und beginnt unten links mit der Gefangennahme Jesu. Unten mittig folgt die Vorführung vor Pilatus, rechts schließen die Geißelung Jesu und die Dornenkrönung an. Im oberen Feld ist zentral der Gekreuzigte zu sehen, links die leidende Muttergottes und rechts die Soldaten, die um das Gewand Jesu würfeln. Das hinterschnittene Hochrelief ist aus rotem Buntsandstein gearbeitet, Reste einer evtl. früher vorhandenen Fassung sind nicht erkennbar. Zeitlich ist die Arbeit relativ genau eingrenzbar: Der Grundstein zum Chor (an der Außenseite des Portals) ist auf 1354 datiert. Die Fertigstellung des Portals dürfte bald danach erfolgt sein, auf jeden Fall deutlich vor dem ca. 100 - jährigen Baustopp ab ca. 1370.

Gefangennahme Christi
Gefangennahme Christi

Für eine Datierung zur Jahrhundertmitte hin sprechen auch einige Details der dargestellten Rüstungs- und Kleidungsstücke. Die Soldaten bei der Gefangennahme tragen eine relativ frühe Form der Beckenhaube, mit noch annähernd runder Kalotte. Die per Lederband befestigten Brünnen sind gut zu erkennen, bei dem Gerüsteten ganz links erkennt man außerdem ein abgeschlagenes Nasal. Die übrige Panzerung besteht aus Kettengeflecht, weitere Plattenteile sind nicht erkennbar.

An der Oberbekleidung sowohl der Wachen als auch des Pilatus sieht man die typischen sehr eng anliegenden Ärmel, die bis zum Ellenbogen geknöpft sind. Der Schnitt der Oberkleider ist körpernah und reicht knapp bis oberhalb der Knie, die Säume sind z.T. rund gezaddelt.

 

Passionsszenen Ausschnitt
Passionsszenen Ausschnitt

Genauere Betrachtung verdient auch die Figur des Peinigers der Dornenkrönung. Er trägt ein offenbar gestepptes Wams, das in dieser Form auf einen militärischen Kontext schließen lässt. Bemerkenswert ist die Karosteppung im Bereich des Oberkörpers und in kleinerem Abstand an den Unterarmen. Die Schöße dagegen sind längsgesteppt. Eine ähnliche Form des Steppwamses ist ansonsten eher in Nord- und Mitteldeutschland zehn bis zwanzig Jahre später teilweise unter der Bezeichnung "westfelischer lendenire" verbreitet. (Vergleiche Abbildung unten)

Epitaph Theoderich von Lichtenhayns 1366
Epitaph Theoderich von Lichtenhayns 1366

Auch die Figur in der oberen Bildebene, rechts neben dem Kreuz, weist eine interessante Form des Steppwamses auf. Hier verläuft die Steppung im Bereich des Torso vertikal, während die Steppnähte der Schöße horizontal und dichter beieinander verlaufen.

 

Literatur:

  • Heike Mittmann, Münsterbauverein, Das Münster zu Freiburg im Breisgau, Freiburg 2007
  • Kunze, Konrad, Himmel aus Stein, Das Freiburger Münster, Freiburg 1980
  • Gravett, Christopher, German Medieval Armies 1300-1500, Oxford, 1985
  • Ulrich Lehnart, Kleidung und Waffen der Spätgotik, II 1370-1420, Wald-Michelbach, 2003